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Unsere Nachbarn - Menschen mit Demenz Wohn- und Lebenssituation demenzerkrankter Menschen
- Ist ein Leben in den “eigenen vier Wänden” mit Demenz möglich?
- Wie kommen demenzerkrankte Menschen in ihrem Alltag zurecht?
- Wie erleben Menschen mit Demenz ihre räumliche und soziale Umwelt?
- Welche Anzeichen und Verhaltensveränderungen können auf die Erkrankung hinweisen?
- Was sollte ich als Mitmensch wissen?
Um diese Fragen zu klären und Interessierten die Wohn- und Lebenssituation von Menschen mit Demenzerkrankung näher zu bringen wird im Bereich Wohnungswirtschaft eine Informationsbroschüre erstellt. Sie soll Einblick in den Alltag Betroffener geben, die noch in Ihrer Wohnung leben.
Projekthintergrund
Die Bevölkerungsentwicklung lässt erwarten, dass die Gruppe der Älteren stark zunehmen und dass es immer mehr Hochbetagte (75 bis 85 Jahre) und Höchstbetagte (ab 85 Jahre) geben wird. Innerhalb dieser Gruppe wird es dann auch mehr Menschen geben, die an einer Demenz erkranken, da zwischen hohem Alter und dem Risiko, an einer Demenz zu erkranken ein Zusammenhang festgestellt wurde. Bis zum Jahr 2050 wird die Anzahl auf etwa 2,6 Millionen geschätzt.
Auch demenzerkrankte Menschen möchten, wie die meisten der älteren Menschen in Deutschland, solange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Dies ist auch von Vorteil, weil durch die Krankheit bedingte, verlorene Fähigkeiten in der gewohnten Umgebung besser ausgeglichen werden können und die verbleibende Energie nicht für die Anpassung an eine neue Umwelt benötigt wird, wie z. B. beim einem Umzug ins Pflegeheim. Des Weiteren haben Nachbarschaft, regelmäßige und vertraute Kontakte sowie alltägliche Gewohnheiten für diese Personen eine große Bedeutung. Die gewohnten Orte, Räumlichkeiten und Beziehungen sind für Menschen mit einer beginnenden Demenz die entscheidenden Stützen in ihrem Alltag. Sie vermitteln ihnen Sicherheit und Geborgenheit. So ist es durchaus möglich, dass ein demenzerkrankter Mensch in seinem vertrauten Stadtteil noch eine gewisse Zeit lang fähig ist, zum Bäcker oder Metzger einkaufen zu gehen oder sonstige bekannte Orte oder Einrichtungen in seinem bekannten Wohnumfeld zu besuchen, wie z. B. die Kirche, den Friedhof oder ein Café. Die Aktivitäten im gewohnten Umfeld vermitteln dem Menschen mit einer Demenzerkrankung Gefühle von Geborgenheit und Selbständigkeit. Es ist deshalb von besonderem Interesse, wie den älteren, demenzerkrankten Menschen der lange Verbleib in der gewohnten Umgebung ermöglicht werden kann und wie das räumliche Umfeld und die soziale Vernetzung gestaltet sein müssen, um dies zu erreichen.
Wohnungswirtschaft und Demenz
Wohnung und Wohnumfeld spielen in der Betreuung demenzerkrankter älterer Menschen und beim Erhalt ihrer weitgehenden Selbständigkeit eine wesentliche Rolle. Ein Leben im gewohnten Umfeld ist auch bis ins fortgeschrittene Stadium der Demenz (unter bestimmten Rahmenbedingungen) leistbar.
Die Wohnungswirtschaft beschäftigt sich zwar bereits stark mit dem Thema „altersgerechtes Wohnen“, bezieht hier jedoch fast ausschließlich die Bedürfnisse körperlich eingeschränkter Menschen in ihre Überlegungen mit ein. Über die technischen und baulichen Aspekte hinaus gibt es bisher kaum eine Auseinandersetzung mit der Lebenslage der Senioren, besonders der mit einer Demenzerkrankung. Nach Aussage unserer Kooperationspartner (vgl. Punkt Kooperation) fallen demenzerkrankte Menschen den Wohnungsunternehmen innerhalb der Gruppe der gesamten Mieterschaft eher selten auf.
Menschen mit einer Demenzerkrankung rücken erst dann ins Bewusstsein, wenn sie auffällig werden, wenn Begleitsymptome wie Orientierungslosigkeit, Wahn, Aggressivität etc. oder Ereignisse wie verlorene Schlüssel von Wohnung, Wohnhaus oder Briefkasten, Brandentwicklung oder nächtliche Lärmbelästigung etc. auftreten. Denn in den Anfangsstadien einer Demenzerkrankung können geistige Einschränkungen und Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung noch relativ gut ersetzt bzw. überspielt werden (z. B. Vergesslichkeit, Probleme beim Autofahren etc.), so dass für Mitmenschen in der unmittelbaren Umgebung Auffälligkeiten nicht erkennbar werden. Oft erfolgt ein Rückzug, der Betroffenen, der von ihrer Umgebung nicht wahrgenommen wird.
Zielsetzung
Die Lebens- und Wohnsituation von demenzerkrankten Menschen, die in einer Wohnanlage leben, ihre Alltagsbewältigung sowie Unterstützung, Kontakte, Mobilität und Sicherheitsge-fühl sind bisher kaum in Studien erfasst und vorwiegend theoretischer Natur
Deshalb hat sich das Modellprojekt KompetenzNetz Demenz die Aufgabe gestellt, in einem Teilprojekt über Wohn- und Lebenssituationen älterer, zum großen Teil alleinlebender Menschen mit einer Demenzerkrankung zu berichten, die in Wohnanlagen leben. Dazu wurden Interviews mit demenzerkrankten Menschen, ihren Angehörigen und Personen aus dem sozialen Umfeld durchgeführt, um die Fähigkeiten in der Alltagsbewältigung, Wohnsituation, soziale Kontakte, Bedürfnisse und Wünsche zu erfassen und die Stützen im Alltag herauszufiltern.
Die Gespräche werden zurzeit zusammengefasst und sollen in Form von lebensnahen Schilderungen die Alltags-, Lebens- und Wohnsituation der älteren, demenzerkrankten Interviewteilnehmer darstellen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse werden dann in einer Broschüre veröffentlicht und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.
Es wird angestrebt:
- eine Veränderung der Wahrnehmung von demenzerkrankten Mietern bei Mitbewohnern und Vermietern zu erreichen;
- die Bewältigung des Alltags und die Bedürfnisse demenzerkrankter Menschen zu vermitteln, um ihre Situation verständlich und begreifbar zu machen;
- Möglichkeiten zu beschreiben, wie Menschen mit einer Demenzerkrankung in Wohnanlagen akzeptiert und unterstützt werden können;
- Handlungsansätze für Wohnungsgesellschaften, das soziale Wohnumfeld wie auch für Angehörige zu entwickeln, wie den Demenzerkrankten der Verbleib in ihrer Wohnung, wie ihnen Sicherheit bei der Bewältigung des Alltages ermöglicht werden kann.
weiter...
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